Zeichen Teil 1 – Entwicklung von Zeichenfamilien

Überall sind sie zu finden: Icons, Piktogramme, Symbole. Sie weisen uns den Weg, helfen uns, sich zurechtzufinden und stellen komplexe Inhalte vereinfacht dar. Grafiken und Bildmaterial haben den angenehmen Effekt, Texte und Inhalte – die oft komplex sind – visuell aufzulockern. Sie geben bei guter Gestaltung dem Leser das Gefühl von lesenswertem und interessantem Inhalt, besitzen einen hohen Wiedererkennungswert, womit sie zum Gesamtauftritt bzw. einer Corporate Identity beitragen. 

Exkurs zum Thema Zeichen:

Was unterscheidet Icons von Piktogrammen? Und was sind eigentlich Ornamente? Es folgt eine kleine Einführung in die Welt der grafischen Zeichen.

01 Symbole
Symbole sind Zeichen, die über eine konkrete Bedeutung hinaus sinnliche Ebenen besitzen. So steht das Kreuz nicht nur für das Christentum, sondern kann darüber hinaus bspw. für das Leid von Jesus oder die Passionsgeschichte stehen. Für Symbole ist also in den meisten Fällen ein kultureller Kontext nötig. Ein Zeichen selbst kann hingegen nur das offensichtliche darstellen. Nach diesem Prinzip ist ein Zeichen ein Symbol, aber ein Symbol nicht in allen Fällen ein Zeichen. 

02 Ornamente
Ornamente sind in der Regel dekorative Zeichen, die unter anderem als strukturierende Elemente ihren Einsatz finden können. 

03 Piktogramme
Piktogramme sind grafisch reduzierte Zeichen, die grundsätzlich international verständlich sind. Ihre Kerneigenschaft dreht sich um das schnelle und sichere Vermitteln von Informationen in einem sprachlich und kulturell unabhängigen Kontext. Die bekanntesten Beispiele für Piktogramme sind Leitsysteme in öffentlichen Gebäuden wie Flughäfen oder Bahnhöfen, Verkehrszeichen oder Sicherheitshinweise.

04 Icons
Icons sind für den digitalen Bereich optimierte Zeichen und finden ihren Platz bspw. auf Benutzeroberflächen von Computern oder Handys.

05 Signet
Ein Signet besitzt keinen einheitlichen Charakter wie Piktogramme oder Icons. Signets visualisieren passend zu einer Marke oder einem Produkt in der Regel eine Wortmarke oder eine Kombination aus Wort und Bild Marke.

06 Logo
Ein Logo stellt die Idee, den Anspruch, das Image und die Eigenschaften eines Unternehmens dar.

In den ersten Schritten der Zeichen-Gestaltung dreht sich alles um:

  1. Zu welchem Zweck und Ziel werden die Zeichen entwickelt?
  2. Wo finden sie ihren Anwendungsbereich?
  3. An welchen bisherigen Designparametern (Corporate Identity) wird sich orientiert?

Sind diese Fragen weitreichend geklärt, kann es an die Entwicklung gehen!
Bei der Gestaltung von Piktogrammen, Icons o. Ä. gibt es viele Parallelen zur Schriftgestaltung. Bei einer Schrift darf nicht jeder Buchstabe nach Lust und Laune gestaltet werden, vielmehr muss jedes Einzelne der 26 Grundzeichen zueinander passen. Dabei gibt es eine Handvoll Tricks, wie aus einzelnen Zeichen, eine Zeichenfamilie wird.

Strichstärke
Zum einen sollte auf einheitliche Strichstärken geachtet werden. Je nach Entwurf kann das nur eine einzelne Stärke oder bis hin zu 3, 4 unterschiedlichen Stärken sein. Eine einheitliche Strichstärke wirkt sich sofort auf den Gesamteindruck und die Zugehörigkeit einzelner Zeichen aus.

Charakteristische Merkmale
Zu beachten sind auch einzelne Elemente in den Gesamtzeichen. Wiederkehrendes wie bspw. Pfeilspitzen, Radien, etc. sollten immer gleich sein. Sobald diese Wiederholungen auftauchen, entwickeln die Zeichen Gemeinsamkeiten und symbolisieren so eine Familie.

Einheitlicher Abstraktionsgrad
Es stellt sich schnell die Frage: Wie detailreich werden die Zeichen? In welche Stilrichtung möchten wir gehen? Wie stark ist der Abstraktionsgrad? Hierbei gilt es, ein einheitliches Maß zu finden!
Falls bspw. ein Piktogramm extrem detailliert und feingliedrig, ein anderes jedoch sehr abstrakt erscheint, folgt die Gestaltung keiner konsequenten Linie. Deshalb ist ein wichtiger Grundsatz die Einheit und Konsequenz im Stil. Diese fördert die Zugehörigkeit der einzelnen Zeichen und ist essenziell für eine Zeichen-Familie.

Indexgestalung
Die klassische Herangehensweise bei der Zeichenentwicklung folgt dem Weg, bspw. Piktogramme basierend auf dem Inhalt zu entwickeln. Ein weiterführender und nachhaltiger Schritt ist jedoch das Planen und Anlegen eines Index. Bei der Indexgestaltung geht es darum, ein Verzeichnis voller Zeichen zu entwickeln, die jeweils eine klare Bedeutung haben. Der Vorteil daran ist, dass sich diese Zeichen dann frei miteinander kombinieren lassen, um so neue Bedeutungen zu erhalten. 

Beispiel: Es gibt ein Piktogramm für „Server“ und ein Piktogramm für „Migration“. Bei einem Artikel oder Text zum Thema Servermigration lassen sich so die Piktogramme kombinieren und perfekt dem Inhalt anpassen.

So umgeht man den Schritt für jedes spezifische Thema ein eigenes Piktogramm zu entwickeln. Je größer der Index, also je mehr einzelne Icons vorhanden sind, desto einfacher und präziser ist die spätere Anwendung im richtigen Kontext.

Ein weiterer Vorteil ist die Wiederholung von Zeichen. Bei einer IT-Firma wie der Mainzer Datenfabrik dreht es sich bspw. oft um Server. Das Serverzeichen taucht so immer wieder im passenden Kontext und teilweise in diversen Kombinationen auf, was letztendlich zu einem höheren Wiedererkennungswert führt.

Ein solcher Index begünstigt außerdem einen starken Abstraktionsgrad. Durch das Wiederholen der Zeichen in diversen Kontexten kombiniert der Betrachter früher oder später ein Piktogramm mit dem Inhalt. So muss ein Zeichen in extremen Fällen nicht wie bspw. ein echter Server erscheinen, sondern es kann stark abstrahiert werden, bis hin zu einfachen geometrischen Formen.

Bei der Indexgestaltung muss ein hoher Anspruch bei der Entwicklung einer Zeichen-Familie bestehen. Wenn bspw. Piktogramme nicht konsequent nach einer Gestaltungslinie entworfen wurden, so kann es bei der Kombination diverser Zeichen zu Problemen führen.

Ein weiteres „nice to have“ bei einem Index ist eine Guideline zur Anwendung und Kombination der Zeichen. So können falsche Anwendungen und ästhetische Fehler ausgeschlossen werden.

Zusammenfassend wichtige Merkmale für die Gestaltung gelungener Bildzeichen:

  • Die Bedeutung eines Piktogramms und Icons sollte möglichst ohne den Zusatz von Text verständlich sein.
  • Bildzeichen sollten international und unabhängig von einer jeweiligen Kultur verstanden werden können.
  • Bildzeichen sollten möglichst auf unnötige Gestaltungselemente verzichten können.
  • Icons und Piktogramme sollten vor allem der Information und Navigation dienen. Im Gegensatz zu Signets oder Markenzeichen, die der Unterstützung einer Corporate Identity dienen.
  • Icons und Piktogramme sollten möglichst innerhalb eines Gestaltungssystems erstellt werden, da so leicht mehrere einheitliche Icons für ein Set erstellt werden können.

Im kommenden Designartikel werden die neuen Piktogramme der Mainzer Datenfabrik vorgestellt.

https://revolutiontunis.wordpress.com/symbolik/zeichen-und-symbol/
https://mediencommunity.de/system/files/Grafische%20Zeichen.pdf